„Ausrasten“ ist ein sogenanntes Klassenzimmerstück, was bedeutet das?
Ein Klassenzimmerstück wird, wie der Name schon sagt, direkt für das Klassenzimmer inszeniert. Das heißt, es spielt nicht im Theater, nicht unter Theaterbedingungen, sondern in einem ganz normalen Klassenzimmer. Ohne Scheinwerfer, ohne Maske, ohne Effekte. Es ist pures Schauspiel. Dafür hautnah! Der Schauspieler agiert zwischen den Kindern, ist wirklich zum Greifen nah. Er bekommt alle Reaktionen im Raum ungefiltert mit und interagiert mit den Kindern. Das ist bei „Ausrasten“ auch Konzept, dass die Kinder mitspielen, in Bewegung kommen, ausrasten!
Das Stück feiert in Konstanz seine deutsche Erstaufführung. Uraufgeführt wurde es in Österreich, wo das titelgebende „Ausrasten“ zwei Bedeutungsvarianten hat. Welche Wortspiel verbirgt sich also hinter dem Titel?
Das Wort "Ausrasten" hat im Österreichischen zwei Bedeutungen: Einmal, die, die uns auch geläufig ist: Ausrasten im Sinne von Ausflippen. Gleichzeitig ist es in Österreich aber auch ein Synonym für Ausruhen. Ein schönes Wortspiel, geht es doch im Stück darum, dass wir manchmal laut sind und hibbelig und manchmal leise und schüchtern – und das hin und wieder sogar zur selben Zeit. Dass das alles völlig okay ist und wie wir selbst damit umgehen können – auch darum geht es im Stück.
Das Stück wird vor allem in Schulen der Region zu sehen sein. Warum macht sich das Theater Konstanz die Mühe und geht in die Schulen? Was ist vor Ort anders als im Theatersaal, was sind die Vor- und Nachteile?
Wir kommen mit dem Stück in die Schulen und machen den Lehrenden, die mit ihren Schüler*innen Theater erleben wollen, das Leben so einfach wie möglich. Der Aufwand für sie ist super gering. Sie brauchen nur eine Schulstunde Zeit, müssen nirgends hinfahren. Dass wir für genau diese Altersgruppe ein Stück anbieten (1.+2. Klasse Grundschule) hat den Hintergrund, dass uns Schulen aus der Region rückgemeldet haben, dass sie sich mit den 1. und 2. Klassen oft nicht trauen, den (weiten) Weg mit Bus und Bahn anzutreten, um zu uns ins Theater zu kommen. Dann haben wir uns gedacht, gut, dann kommen wir eben zu ihnen!
Vorteile: Die große Nähe! Der Schauspieler ist zum Greifen nah, sieht die Kinder (wird nicht geblendet von Scheinwerfern), kann (und muss) auf sie reagieren. Jede Vorstellung ist anders. Jeder Raum ist anders. Jedes Mal gibt es neue, ungeplante Dinge, die passieren. Da steht jemand, der extra für die Kinder spielt. Sie sind gemeint.
Nachteile: Für den Schauspieler fallen die Schutzräume weg, die es im Theater gibt, eben das Blenden der Scheinwerfer, oder auch die Bühnenkante. Er kann sich an nichts Festhalten, was immer gleich wäre. Er muss spontan bleiben, auf alles reagieren, aber trotzdem auch sein Stück durchziehen – das ist eine Kunst!
Im Stück geht es um Probleme mit dem Stillsitzen, die Schwierigkeiten des Fokussierens und Selbstregulierung. Was können die Schüler*innen und Lehrkräfte daraus mitnehmen?
Im Stück dürfen sich die Kinder in erster Linie über diese ungewöhnliche Lehrkraft amüsieren, die immer wieder den Faden verliert, einen sehr eigenwilligen Zeigefinger hat und durch das ganze Klassenzimmer fegt. Sie dürfen gemeinsam mit Anton ausflippen, bekommen aber auch Methoden an die Hand, wie es gelingen kann, wieder ruhig und konzentrierter zu werden. Und die Message ist ganz klar: Es gibt kein richtig oder falsch. So wie du bist, bist du gut!
Nach den Vorstellungen gibt es Raum für Austausch mit den Schüler*innen, des Hauptdarstellers und den Theaterpädagoginnen des Theaters. Über welche Themen soll gesprochen werden?
Über alles, was die Kinder interessiert! Natürlich geben wir zum Einstieg auch inhaltliche Fragen in die Runde, ob sie finden, dass die Figur im Stück ein guter Lehrer ist, oder zum Thema Ausrasten, ob die Kinder das Gefühl kennen, dass manchmal alles gleichzeitig in ihnen tobt, die Füße etwas anderes wollen als der Kopf und wie sie es schaffen, ruhig zu werden. Aber natürlich dürfen sie auch fragen, warum der Schauspieler diesen Beruf hat, ob er davon leben kann, oder wie alt er ist.